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Chronik (bis 2016)

Ein Chor aus Rostock zur Bewahrung der Arbeiterliedkultur

2014 – Erstes Jahr = Erstes Treffen, erste Probe, erster Auftritt

15. Februar- erstes Treffen
23. Februar- erste Probe
14. September- Namensgebung
13. Dezember- erster Auftritt (Ehrenamtsfeier im Peter-Weiss-Haus, Rostock)

Am 15. Februar 2014 trafen sich sieben Personen in Rostock um über die Idee zur Gründung eines Arbeiterliederchores zu sprechen. Schon eine Woche später, am 23.2. 2014 findet die erste Probe statt. Man sang das Lied „Die Internationale“. Das Durschnittsalter der Singenden liegt zu dieser Zeit bei knapp 26 Jahren und alle sind lohnabhängig beschäftigt oder arbeitslos. Alle verorten sie sich als links denkende und handelnde Menschen. Einer beherrscht das Gitarrenspiel und ist Musiker in einer Ska-Band, ein Anderer sang schon mal in einer Hardcore-Band, zwei der Mitglieder kommen aus der organisierten Arbeiterjugendbewegung.

Die ersten Monate sind geprägt durch das Studieren von historischen Liedern der Arbeiter*innenbewegung, ihren jeweiligen Geschichten und das Singen verschiedenster Lieder. Am 14. September einigen sich die Chormitglieder im Rahmen einer Probe darauf, sich ab sofort „ROTER HERING – Klassenkampfcore“ zu nennen. Ein Logo wird entworfen und Ende September geht ein medialer Auftritt bei Facebook online. Der Name, als auch die Art und Weise wie die Lieder interpretiert werden sollen, soll einen Weg bahnen die teilweise altbacken wirkenden, historischen Arbeiterlieder in eine moderne Zeit zu tragen. Ziel ist es die Geschichte der Arbeiter*innenbewegung einem jungen Publikum zugänglich zu machen.

Nach knapp 10 Monaten und wöchentlich stattfindenden Proben sind 10 Stücke laienhaft einstudiert. Am 13. Dezember 2014 kommt es im Rahmen einer Ehrenamtsfeier im Rostocker Peter-Weiss-Haus zum ersten Auftritt. Vor ca. 100 Gästen wird ein einstündiges Programm dargeboten. Anfangs belächelt, erfährt dieser Auftritt einen gewaltigen Achtungserfolg. Dies weniger durch einen hohen musikalischen Anspruch, sondern durch die Darbietung insgesamt. Zu jedem vorgetragenen Lied gibt es eine Kurzgeschichte, die den jeweiligen Song in einen geschichtlichen Kontext setzt, über historische soziale Kämpfe berichtet und über die Entstehungsgeschichte des Liedes aufklärt. Neben der musikalischen Darbietung, verorten viele Gäste diesen Abend im Nachgang als eine Bildungsveranstaltung. In den darauf folgenden Wochen kommen viele neue Gesichter zu den Chorproben, singen mit, gehen wieder oder bleiben dabei.

Überraschend zum Ende des Jahres 2014 ist die Nachricht, dass die Kultusministerkonferenz der Länder am 11. Dezember 2014 einer Empfehlung einer unabhängigen Expertenkommission folgt und bestätigt, dass „das Singen der Lieder der deutschen Arbeiterbewegung“ in „das bundesweite Verzeichnis des immateriellen Kulturerbes“ aufgenommen wird. In der Erklärung heißt es:

„Im Rahmen von Aktionen der Arbeiterbewegung werden seit dem 19. Jahrhundert charakteristische Lieder gesungen. Das Singen dieser Lieder ist Ausdruck einerseits von Benachteiligung und Unterdrückung lohnabhängiger Beschäftigter, andererseits aber auch von ihrer Gegenwehr und Zukunftsgewissheit. Die Lieder weisen häufig einen positiven Bezug zur grenzüberschreitenden Solidarität und zum Streben nach Frieden zwischen den Völkern auf. Viele sind Übersetzungen aus anderen Sprachen, wie beispielsweise „Die Internationale“ oder „Bella Ciao“. Die Lieder der Arbeiterbewegung erreichten im deutschen Kulturraum eine hohe künstlerische Entwicklung durch musikalisch innovative Adaptionen und Weiterentwicklungen.durch Kurt Weill, Hanns Eisler und Bertolt Brecht. Das Singen der Lieder der deutschen Arbeiterbewegung ist über weite Strecken der deutschen Geschichte verboten und unterdrückt worden. Nach dem Zweiten Weltkrieg musste es zunächst wiederentdeckt und von der Arbeiterbewegung neu angeeignet werden. Auch heute noch weist die Praxis eine große Lebendigkeit auf, die, von den Medien weitgehend unbeachtet, bei Versammlungen oder anlässlich von Streiks und anderen gewerkschaftlichen Auseinandersetzungen sowie in der Neuentstehung von Liedern zum Ausdruck kommt.“

2015 – Proben, Proben, nochmals Proben

14. Februar- Auftritt (Opener zum „Elektro in My Heart“, Rostock)
16. Juli- erstes Radiointerview beim Lokalradio LOHRO
22. August- Auftritt (AJUCA, Lärz)
13. Dezember- Auftritt (1. Straßenbahnkonzert, Rostock)
19. Dezember- Auftritt (Ehrenamtsfeier 2015 im Peter-Weiss-Haus, Rostock)

Zwei Monate nach dem ersten folgt der zweite Auftritt. Der Rahmen scheint merkwürdig, denn der Chor eröffnet eine Electro Party im Rahmen der Veranstaltungsreihe „Electro in My Heart“. Doch der Erlös der gesamten Veranstaltung kommt der Ortsgruppe Rostock der Industrial Workers of the World (IWW), einer Basisgewerkschaft für alle lohnabhängigen Beschäftigten zugute, dies unterstützte der ROTE HERING gerne.

Am 16. Juli sprechen Chormitglieder in der Nachmittagsshow „Homerun“ des lokalen Radiosenders LOHRO in Rostock über die Entstehung und Aktivitäten vom ROTER HERING.

Am 22. August 2015 tritt der Chor im Rahmen der Abschlussveranstaltung des Alternativen Jugend-Camps (AJUCA) auf und begeistert über 250 junge Menschen mit seiner Darbietung. Erstmals werden via Beamer alle Liedtexte projiziert und animieren somit zum mitsingen. Das AJUCA als antifaschistisches Jugendfestival in Mecklenburg Vorpommern auf dem Gelände des Kulturkosmos in Lärz an der Müritz zieht auch junge Menschen aus angrenzenden Bundesländern an. Dadurch bekommt der ROTER HERING eine überregionale Popularität und nun auch Buchungsanfragen für Auftritte außerhalb von Rostock und Mecklenburg Vorpommern.

Am 13. Dezember besteigen 30 Menschen in der Mecklenburger Allee in Rostock-Lichtenhagen eine Straßenbahn der Linie Nr. 5 und fahren damit bis zum Doberaner Platz in der Kröpeliner-Tor-Vorstadt (KTV). Während der ca. 30 Minuten andauernden Fahrt singt der ROTER HERING öffentlich Lieder der Arbeiter*innenbewegung.

Am 19. Dezember 2015 tritt der ROTE HERING abermals bei der Ehrenamtsfeier des Peter-Weiss-Haus auf. Ein Jahr nach dem ersten Auftritt sind die Zuhörenden abermals verblüfft. Neue Songs, eine höhere musikalische Qualität und nunmehr 16 Chormitglieder sorgen für einen bewegten und bewegenden Abend.

Ansonsten gilt das Jahr 2015 als das Jahr der Probe. Mit wenigen Ausnahmen probt der Chor jeden Sonntag im Peter-Weiss-Haus in Rostock. Er umfasst zeitweilig bis zu 16 Singende. Die Anteil der Frauenstimmen beträgt ca. 25 %. Ungefähr 18 Songs gehören zum Repertoire.

2016 – von Auftritt zu Auftritt, Wachstum & Qualität

5. Februar- Auftritt (Party der Autonomen Antifa Berlin, Supamolly Berlin)
5. März- Auftritt (Bundeskonferenz der SJD – Die Falken, Rostock)
18. März- Auftritt (Tag der politischen Gefangenen, KvU Berlin)
24. April- Stadtrundgang zu Rudolf Mokry, Rostock
30. April- Auftritt (Konferenz der DGB-Jugend Nord, Rostock)
14. Mai- Auftritt (Riot in my Heart Festival, Rostock)
28. Mai- Auftritt (private Geburtstagsparty, Berlin)
2. Juli- Auftritt (25. Jahre Rosa Luxemburg Stiftung in MV, Rostock)
8. Juli- Auftritt (10 Jahre ROTE HILFE Greifswald, IKUWO Greifswald)
4. Oktober- Auftritt (Campustag des AStA in Rostock)

Im Februar 2016 tritt der ROTER HERING erstmals außerhalb von Mecklenburg-Vorpommern auf. Im März begeistert der Chor die Teilnehmenden einer bundesweiten Konferenz der Sozialistischen Jugend Deutschlands – Die Falken, die in Rostock tagt.
Am 18. März, dem Tag der politischen Gefangenen, singt der Chor auf Einladung der ROTEN HILFE vor über 300 Menschen in der KvU (Kirche von Unten) in Berlin. Weitere Acts des Abends waren u.a.: The Incredible Herrengedeck, Kleinkunstpunk Konny und Yok.

Am 24. April, anlässlich des 111. Geburstages des Rostocker Arbeitersportlers Rudolf Mokry initiiert der ROTER HERING einen Stadtrundgang zur örtlichen Arbeiterbewegung und zum Leben und Wirken des Kommunisten Rudolf Mokry, der 1944 durch die Nazis ermordet wurde.

Am Vorabend des 1. Mai 2016, tritt der Chor ROTER HERING im Abendprogramm bei einer Konferenz der DGB-Jugend Nord in Rostock auf. Der Chor nimmt auf Einladung der DGB-Jugend am vorab stattfindenden „Kneipenquiz zum Klassenkampf“ statt und gewinnt das Quiz.

Vom 13.-14. Mai 2016 fand das Riot-in-my-Heart-Festival in Rostock statt. Der Chor darf nach den inhaltlichen Workshops vom Vormittag, am Nachmittag des zweiten Tages das musikalische Programm mit einem Open-Air-Auftritt eröffnen. Der kämpferisch dargebotene Auftritt wird durch eine pyrotechnische Performence ergänzt. Weitere Acts des Festivals waren u.a.: Produzenten der Froide, Kaput Krauts und Neonschwarz.

Zum 25 jährigen Jubiläum der ROSA-LUXEMBURG-STIFTUNG in Mecklenburg-Vorpommern, am 2. Juli 2016, durften wir zur Eröffnung des Festaktes im Steigenberger Hotel Sonne, in Rostock, vor versammelter Festgesellschaft singen. Ehrengast der Veranstaltung war Gregor Gysi. Eine Ehre, ganz beiderseits. Ebenfalls im Juli beglückten wir die Gäste der Party zum 10 jährigen Jubiläum der ROTEN HILFE, Ortsgruppe Greifswald.

Ein weiterer Quantensprung bedeutete der Auftritt beim Open-Air-Konzert anlässlich des Rostocker CAMPUSTAG des AStA am 4. Oktober 2016. Mit 17 Sänger*innen sangen wir auf einer großen Bühne und erstmals verstärkt über eine große Anlage. Auch hier kam für den Showeffekt Pyrotechnik zum Einsatz. Weitere Acts des Konzert waren u.a.: Lappalie, The Flexfitz, Sokee und Egotronic.

Trotz der zahlreichen Auftritte konnte der Chor seinen wöchentlichen Probenrhythmus beibehalten und zahlreiche neue Stücke einstudieren. Insgesamt zählen nun knapp 30 Lieder zum Repertoire. Der Anteil der Frauenstimmen erhöhte sich auf knapp 40% und der Chor umfasst nun bis zu 20 Sängerinnen und Sänger. Erste Stücke werden nun zweistimmig vorgetragen. Begleitet wird der Chor wahlweise und/oder abwechselnd von einem Akkordeon und einer Gitarre. Neben den Stücken der klassischen Arbeiterbewegung fanden Lieder aus der Punk- und Liedermacherbewegung Eingang ins Programm.


Ziele, Ausblick, Wünsche

Nach wie vor gibt es Anfragen für Auftritte und es wird weiterhin wöchentlich jeden Sonntag um 17 Uhr im Peter-Weiss-Haus in Rostock geprobt. Der Chor organisiert sich demokratisch. Es gibt keine Chorleitung. Einzelne Akteure übernehmen spezifische Aufgaben. Zum Beispiel die Betreuung der Webpräsenz, Absprachen zum Booking und Produzieren von Merchendise.

Der Chor darf gerne weiter wachsen. Neue Lieder sollen einstudiert werden. Schön wäre eine professionelle Unterstützung bei den Proben. Und mit Sicherheit wäre eine Studioaufnahme und vielleicht sogar die Herausgabe eines Tonträgers in ferner Zukunft ein I-Tüpfelchen des musizierendes Schaffens des ROTER HERING.